Stimmen über Ilsetraut Glock | Ihr künstlerisches Lebenswerk

Verschiedene Stimmen über Ilsetraut Glock


"Ilsetraut Glock gehört seit vielen Jahren zur Bonner Kunstszene. Ihre derzeitige Ausstellung im Haus an der Redoute leitete Professor Frank Zehnder, Direktor des Rheinischen Landesmuseums, ein. Er tat es mit der Vertrautheit langjähriger Werkkenntnis. Nicht von ungefähr hat Ilsetraut Glock Bestände ihres Werkes als Stiftung dem Museum anvertraut, wie sie auch ihrer Vaterstadt Nordhausen bedeutende Stiftungen aus eigenen Beständen und Sammlungen übergeben hat. Der Oberbürgermeister von Nordhausen war denn auch überraschend unter den vielen Gästen dieser Vernissage.
Zehnder fand in seiner Einführung Begriffsbildungen, die dem großen Kreis der Kunstfreunde die Ausstellung erschlossen, welche wie immer bei Ilsetraut Glock in Thematik und Ausführung "von geheimnisvoll bis unheimlich" reicht. In jähen, zuweilen sogar heftigen Ausdrucksformen spricht die Künstlerin in "unbändiger Experimentierfreude" Themen an, die sie bewegen. Die atemberaubende Ausstellung einer Künstlerin, die kein Alter kennt..."
("Subtile Formen und gewaltsamer Pinselstrich"-Artikel im General Anzeiger 29.03.04 anlässlich der Ausstellung im Haus an der Redoute von Irmgard Wolf)


"Es geschieht keineswegs selten, dass ihre Bildwelt ein Stück Zeitgeschichte vorweg greift, das später von der Wirklichkeit eingeholt wird. Apokalyptische Szenarien der Gemälde"- und der Himmel wird nicht mehr derselbe Himmel sein" (2000) und "Aufruhr der Engel" (1989) sind eindringliche Beispiele für den intuitiv vorausspürenden Sensus der angesehenen Malerin und Grafikerin Ilsetraut Glock. Im Gedankenspeicher der in Alfter-Oedekoven bei Bonn lebenden Künstlerin ist ein umfassendes Themenrepertoir einquartiert; hier stapeln sich Kulissen der Erinnerung, archaische oder zeitlose Stoffe aus Bibel und Mythologie.
Ganze Raumfluchten sind reserviert für Requisiten der Gegenwart und Zeitgeschichte; und schließlich gibt es da ein Archiv, das Weltliteratur beherbergt. Manch Gegenstand lagert lange Zeit im Dunkeln bis er intuitiv aufgestöbert, aktuell aufpoliert, experimentell restauriert wird und seine expressive Patina erhält. Was sich dann auf der Bühne von Leinwand oder Papier abspielt, unterliegt der vitalen, fantasiestarken Dramaturgie der Ilsetraut Glock..."
("Unentdeckte Talente fördern"- Artikel in der Zeitschrift Junge Kunst Nr.50 von Christina zu Mecklenburg)


"Ilsetraut Glock gehört seit über fünfzig Jahren zu den aktivsten Künstlerinnen unseres Landes. Deutschlandweit und in europäischen Ländern stellt sie seit 1959 unentwegt aus, und stets begegnen dem Betrachter auch jüngst und neue werke. Ihre Schaffenskraft und ihre Phantasie, ihre Formerfindung und ihre Fabulierlust sind scheinbar unbegrenzt. Seit sie im Jahre 1970 vor allem die Graphik für sich entdeckt hat, entwickelte sie sich zu einer Meisterin der Radierung und des Aquatintaverfahrens. Da ihre Auflagen- vom kleinen bis zum großen Format- äußerst klein sind, sind ihre Blätter heiß begehrt. Zahlreiche Drucke erscheinen sogar nur als Unikate; hat sie doch einen sehr individuellen Weg gefunden graphische Technik und Malerei miteinander zu verbinden. Ilsetraut Glock, die lange zeit dem Theater sehr verbunden war, liebt auch in ihrer graphischen Kunst die Poesie, Literatur und Bühne. In sehr unterschiedlicher Weise setzt sie hier empfangene Impulse in eindrucksvolle Blätter um, die oft von Temperament und Stille zugleich leben. Phantasievolle Formen, figürliche Erinnerungen, eigenwillige intensive Farben und eine stets anders wirkende kompositionelle Spannung kennzeichnen den Stil ihrer Druckgraphik bis heute. Listige und intellektuelle Gedanken, unterschiedliche Stimmungslagen, eine bis zur Perfektion getriebene Technik sowie eine gute Portion Humor und Optimismus geben ihrer Kunst jene Kraft, die sie so begehrt macht..."
(Prof.Dr. Zehnder, Direktor des Rheinischen Landesmuseum Bonn 17.7.1999)


"... Ilsetraut Glock setzt Zeichen. Daß ihr 80. Geburtstag in diesem Jahr die Entscheidung forcierte, sei am Rande vermerkt. Die Vitalität ihres Werkes in dieser Schaffensphase dürfte nicht leicht einzuholen sein. Renommierte Vertreter dieses Gewerbes haben früher das Stadium der Erstarrung erreicht. Die Wurzeln dieser Kreativität sind eng verknüpft mit den Erfahrungen und der Entwicklung der Kunst im Nachkriegsdeutschland. Die vorausgehende Starre der Nazi-Zeit hat wohl jene, die im Experiment und in der Neugier essentielle Fähigkeiten des Menschen sehen, auf Dauer bewegt, alles gegen die Wiederkehr der Erstarrung- eben auch jener aus individueller Verantwortung- zu unternehmen. Ilsetraut Glocks Werk ist bis heute in Bewegung auf der Suche nach "Bildern" der Existenz, nach Formen, in welchen sich die Bilder verdichten und im Dialog mit dem Sehenden entzünden könnten, Formen zwischen surrealer Abstraktion und informell vagabundierender Expression. Ihre Leidenschaft gilt dem graphischen Experiment, welches zwangsläufig das Überbordende, sich ins Diffuse Flüchtigende bändigt. Ihr graphisches Werk zeigt am deutlichsten jene für Künstler entscheidende Unruhe auf der Suche nach gültigem und die Präzision in der Auseinandersetzung mit dem Möglichen- hinter welchem für Ilsetraut Glock vor allem die Zerrissenheit des Menschen steht. Das Erlebnis der Zerstörung von Dresden war nicht minder prägend als ein Leben voller Ereignisse, die sie schließlich nach Bonn führte, wo sie nun mit dem gelassenen Abstand , räumlich gezwungen zur Konzentration, auf die überwältigende Fülle eines wuchernden Gartens blickt. Künstlerexistenz- nach dem Krieg und vor der Jahrtausendwende- unbeirrt, leidenschaftlich, - bon direct."
("Bon direct oder wie man der Region entkommt" - Artikel von Annelie Pohlen anlässlich der Ausstellung im Bonner Kunstverein 25.7-9.8.1995)


"... Seit 1980 wir dann aber der Grundduktus in den Arbeiten von Frau Glock raumgreifender, gibt sie die Feinnervigkeit zu Gunsten einer großzügigen Malerei auf. Das ist ein überraschender Vorgang. Doch lässt er erkennen, dass die Malerin mit wachem Auge neu sich ausbildende Wege bilnerischen Gestaltens auf sich nicht ohne Wirkung sieht. Sie verfolgt, soll damit gesagt sein, die Strömungen neuen Kunstwollens. So entdeckt sie für sich, dass ihr auch ein noch größerer Ausdruck möglich ist. Sie zeigt sich auf diese Weise jung geblieben und voll von Fähigkeit auch großer Geste bildnerische Kraft und Ausdruck zu verleihen. In diesen Kontext sind die Zyklen "Aufruhr der Engel" oder "Die Nibelungen" zu rechnen. Diese weisen auch in frappierender Art und Weise darauf hin, wie stark die politischen Ereignisse der jüngsten gegenwart Ilsetraut Glock in ihrem Empfinden, Denken und malerischen Reagieren nicht unberührt lassen. Hier äußert sich Zeitzeugenschaft und Ausdrucksformen, die packen..."
("40 Jahre als Malerin in Bonn" - Auszug aus dem Vorwort zum Katalog 1990 von Prof. Dr. Hugo Borger)


"... Ilsetraut Glock hat im Laufe ihres intensiven Schaffen ein thematisch vielseitiges und technisch interessantes Werk erarbeitet. Sie ist keinem Stil zuzuordnen, sie ist von keiner Richtung zu vereinnahmen. Da findet man zwar Elemente des Surrealismus und solche des magischen Realismus, aber alle Ismen halten einer Bestimmung des ganz persönlichen Stils der Künstlerin nicht stand. Die Künstlerin geht in ihren Werken von der Wirklichkeit aus, vermag ihr aber durch die skurril-kritische Betrachtungsweise und durch ein hintergründiges Reflektieren einen geradezu metaphysischen Charakter zu geben. Bemerkenswert ist der lyrische Grundton ihrer Arbeiten, sowie die technische Perfektion und hohe Qualität ihrer Druckgrafik."
(Prof.Dr. Zehnder anlässlich der Studioausstellung Sankt Augustin, 10.-31.Mai 1981)


"Die Künstlerin hat einen höchst eigenwilligen Weg zum Bild. Dir Anlässe, in den Titeln noch deutlich, sind merkwürdige Ereignisse, absonderliche Sätze, Szenen aus Theaterstücken, Büchern oder Palmen. Ilsetraut Glock hat den Blick für das Absonderliche. Dabei abstrahiert die Grafikerin eigentlich gar nichts. Sie verwandelt ihre Figuren hin in die Welt ihrer Phantasie, in der es spukt und in der ein Schalk wohnt."
(Lothar Schmidt-Mühlisch, Bonner Rundschau, 1970)


"Hinter den bebenden, geknäulten Strichen dieser Bilder ist ein sehr wacher Intellekt am Werk, der technische Probleme gar nicht erst aufkommen lässt. Es entstehen fast verblüffende poetische oder humorige Assoziationen erweckende Kunstwerke, denen sozusagen intime Menschlichkeit innewohnt."
(H.J. Krämer, Bonn. General-Anzeiger, Bonn, 1968)


"Ilsetraut Glock hat die Fähigkeit, die Realität zu durchdringen und sie im magischen Exerzitium tanzen zu machen. In dieser Grenzverrückung - die Realität lässt immer mehr Transzendenz herein und wird am Ende selbst transzendent - liegt eine Chance für die Kunst überhaupt. Ilsetraut Glock hat den Kafka'schen Griff und Blick dafür."
(Edwin Kuntz, Heidelberg. Ausstellung im Kurpfälzischen Museum, 1965)


"Hier wo die mit den Augen wahrnehmbare Wirklichkeit nur eben noch halbe Präsenz besitzt und andererseits das Metaphysische, Überwirkliche und Unbewusste nicht mehrmals gerade halbe Präsenz, hier werden verborgene Kräfte geweckt und mit anmutig kluger Behutsamkeit bildnerisch gefestigt."
(Horst Richter, Köln. Einführung zur Einzelausstellung, 1964)